Papiertechnik

Kein unbeschriebenes Blatt: Papiertechniker*innen haben eine Vielzahl an Karrieremöglichkeiten.

Papier ist geduldig, so das Sprichwort, aber bei diesem Beruf ist eine Menge Technik im Spiel, die ihn sehr abwechslungsreich macht. Papiertechniker*innen erzeugen Papier, Karton und Pappe aus Holz, Lösungsmitteln, Farben, Leimen und weiteren Chemikalien. Papier und Pappe verarbeiten sie anschließend zu gebrauchsfertigen Produkten. Die Papiererzeugung ist weitgehend automatisiert, weshalb Sie in diesem Beruf vorrangig mit der Steuerung und Überwachung der jeweiligen Produktionsanlagen beschäftigt sind.

In der industriellen Fertigung sind Papiertechniker*innen meist auf einen der folgenden Bereiche spezialisiert: Halbstofferzeugung, Stoffaufbereitung, Papiermaschine, Papierveredelung, Ausrüstung, Papierlabor. Wenn Sie also technisch versiert sind und ein Interesse an diesem nachhaltigen Material haben, dann ist der Beruf Papiertechniker*in genau der richtige für Sie.

Tendenzen

Ein großes Thema in der Papier- und Zellstoffindustrie ist der Umweltschutz. Früher war dieser Produktionszweig sehr umweltbelastend, vor allem wegen der großen Mengen an Abwasser und Produktionsabfällen, wegen der großen Energieverluste durch Abwärme und wegen des großen Holzbedarfs. Nach enormen Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen gilt die Branche heute als Vorreiter der Bioökonomie, einer Wirtschaftsform, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert. Der 100-%ige Bezug von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, mehrfaches Recycling und mehrstufige Abwasserreinigung sind mittlerweile Standard. Ein neues Geschäftsfeld liegt auch in der Ökostromerzeugung: Bereits 10 % der heimischen erneuerbaren Energie kommt von der Papierindustrie.

Das Material Papier selbst ist aber noch lange nicht ausgereizt – intensiv wird an neuen Verwendungsmöglichkeiten geforscht wie beispielsweise im Hochleistungsleichtbau und für Spezialverpackungen. Wohncontainer auf Papierbasis; Tapeten auf Papierbasis, die das Raumklima und die Luftfeuchtigkeit regulieren, aber nicht anfangen zu schimmeln; aromadichte, wasser- und fettabweisende Papiere für die Verpackung von Lebensmitteln oder auch Papier mit antibakteriellen Eigenschaften sind heute noch Zukunftsmusik, eröffnen aber viele Chancen für die Papierindustrie.

 

 

Trends & Wandel in der Branche

Papiertechniker*nnen sind in Mittel- und Großbetrieben der Papier- und Zellstoffindustrie beschäftigt, die vor allem in den industriell geprägten Bundesländern (OÖ, NÖ und Stmk.) stark vertreten sind. Nach einigen schwierigen Jahren sieht die Branche derzeit wieder vielversprechenden Zeiten entgegen und die Berufsaussichten sind entsprechend günstig, vor allem für die an den High Tech-Maschinen ausgebildeten Papiertechniker*innen. Lohn und Gehalt sind Top in der Papierindustrie, schon als Lehrling verdient man gut. Die Betriebe sind offen und unterstützen Sie bei Ihrer Karriere mit Lehre.

Bildungspfad Papiertechnik im Detail

Der Bildungspfad Papiertechnik zeigt – als eine Karrieremöglichkeit – die Entwicklung von der Lehre Papiertechnik bis zum Universitätsstudium auf.

Die Lehre findet in einer österreichischen Papierfabrik statt und dauert  dreieinhalb Jahre. Das in dieser Zeit erworbene Wissen ist eine wichtige Basis für Ihre weitere Karriere. Die Lehrausbildung im dualen System schließt mit der Lehrabschlussprüfung ab.

Nach der Lehre haben Sie - meist nach längerer Betriebszugehörigkeit - Aufstiegsmöglichkeiten zu Schicht- und Werkführer*innen, Abteilungs-, Produktions- und Betriebsleiter*innen sowie zu Werkmeister*innen, die jedoch den Besuch von Weiterbildungskursen bzw. der Werkmeister*innenschule voraussetzen. Zahlreiche berufsspezifische Seminare bieten das Bildungsforum PROPAK und das Ausbildungszentrum der österreichischen Papierindustrie in Steyrermühl, wo sich auch die Werkmeisterschule für Papiertechnik befindet. Dort können Sie sich berufsbegleitend in 4 Semestern zum/zur Werkmeister*in der Papiertechnik höherqualifizieren.

Eine Karriereschiene, die ebenfalls für Papiertechniker*innen in Betracht kommt, ist die Fortbildung zur Qualitätsfachkraft und später zum/zur Qualitätstechniker*in – das WIFI bietet Ihnen hier entsprechende Ausbildungen, in denen Sie die statistischen Methoden und Instrumente der modernen Qualitätstechnik kennen- und anwenden lernen. Nach erfolgreich abgelegter Prüfung erhalten Sie von der WIFI-Zertifizierungsstelle das Zertifikat "Qualitätsfachkraft" bzw. "Qualitätstechniker*in (QT)", das auch nach internationalen Maßstäben einen Kompetenznachweis darstellt. Während der 3-jährigen Gültigkeit des Zertifikats halten Sie Ihre Fertigkeiten durch laufende Weiterbildungskurse aufrecht.

Während oder nach der Lehre können Sie natürlich auch die Matura absolvieren und anschließend ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule beginnen. Auch Absolvent*innen einer Lehre steht dieser Weg mit dem Ablegen der Berufsreifeprüfung offen. Als Beispiel für die universitäre Weiterbildung ist in diesem Bildungspfad zunächst der Universitätslehrgang "Paper and Pulp Technology" angeführt, den Sie an der TU Graz belegen können. Dieser Lehrgang kann berufsbegleitend in 3 Semestern absolviert werden und schließt mit dem Titel "akademisch geprüfte/r Papieringenieur/in" ab.

Etwas mehr Zeit müssen Sie für das Studium Verpackungstechnologie veranschlagen, das berufsbegleitend an der FH Campus Wien angeboten wird. Dieses Studium beschließen Sie nach 6 Semestern als Bachelor of Science in Engineering (Bsc). Zur weiteren Vertiefung oder auch, wenn Sie eine Führungsposition in der Verpackungsindustrie anstreben, können Sie das 4-semestrige Masterstudium "Packaging and Sustainability" in dieser Fachrichtung anschließen.

Sie eignen sich für diesen Beruf, wenn Sie folgende Skills mitbringen:

  • Handwerkliches Geschick
  • Gute körperliche Verfassung
  • Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen und chemischen Stoffen
  • Chemisches Verständnis
  • EDV-Kenntnisse

 Ihr Start in den Bildungspfad

Ihr Start in den Bildungspfad

Abhängig von Ihrer beruflichen Vorerfahrung haben Sie folgende Einstiegsmöglichkeiten in diesen Bildungspfad:

 

Papiertechniker*nnen mit Lehrabschluss sind in Mittel- und Großbetrieben der Papier- und Zellstoffindustrie beschäftigt.

Sie

  • bedienen Maschinen und Anlagen,
  • lösen Altpapier zu Faserbrei auf,
  • säubern Faserbrei von Verunreinigungen,
  • mahlen Halbstoffe und lösen sie mit Wasser auf,
  • vermischen Faserbrei mit Leimen, Farben und Chemikalien,
  • verarbeiten die Fasermischungen,
  • stellen Papier durch Trocknen und Pressen her,
  • steuern und bedienen die Schaltpulte der Papiermaschinen,
  • kontrollieren die Produktion auf dem Monitor,
  • wenden Verfahren der Papierveredelung an,
  • schneiden die Papierformate zu,
  • rollen das Papier auf Rollen auf,
  • führen Qualitätskontrollen durch,
  • untersuchen Papierproben im Papierlabor.

Werkmeister*innen sind qualifizierte technische Führungskräfte, zu deren Kernaufgaben die Koordination der innerbetrieblichen Prozesse sowie die Sicherstellung von Qualitäts- und Arbeitsschutzstandards gehören. Als Praktiker*innen mit theoretischem Wissen zählen Werkmeister*innen  zu den gefragtesten Mitarbeiter*innen in Gewerbe und Industrie.

Sie sind im Bereich Papiertechnik in der Lage

  • reibungslose Abläufe in der Produktion zu koordinieren,
  • die Qualitätsstandards der Produkte sicherzustellen,
  • Lehrlinge auszubilden,
  • Teams zu leiten und Führungsverantwortung zu übernehmen,
  • Arbeitsschutz und Unfallverhütung zu gewährleisten.

Qualitätsfachkräfte und Qualitätstechniker*innen sind Fachleute für die Umsetzung von Qualitätsstrategien in Industriebetrieben.

Sie

  • lösen messtechnische Aufgaben in allen Bereichen des betrieblichen Ablaufes,
  • führen statistische Auswertungen,
  • lenken Qualitätsaufzeichnungen,
  • wirken bei der Zertifizierung nach internationalen Normen mit,
  • wenden Maßnahmen zur vorbeugenden Qualitätssicherung eigenständig an, 
  • nutzen spezielle Software für das Qualitätsmanagement.

Als akademisch geprüfte/r Papieringenieur*in sind Sie zumeist in den Bereichen Faserstofferzeugung, Papierveredelung und Papierverarbeitung tätig. Viele Absolvent*innen des Universitätslehrgangs "Paper and Pulp Technology" sind jedoch in der Zulieferindustrie beschäftigt.

Ihre Hauptaufgaben liegen dort

  • in der Konzeption, dem Bau und Verkauf von Papiermaschinen bzw. von Anlageteilen der Papierproduktion,
  • in der Herstellung der produktionsrelevanten chemischen und mineralischen Hilfsmitteln.

Absolvent*innen des Bachelorstudiums "Verpackungstechnologie" sind gefragte Generalist*innen speziell in den Bereichen Produktion, Verpackungsentwicklung und Design, Qualitätssicherung, im technischen Ein- und Verkauf sowie im Marketing. Sie starten als Assistent*in bzw. Projektmitarbeiter*in, Produktentwickler*in, Anwendungstechniker*in, Designer*in, Verpackungsprüfer*in, Labortechniker*in, Ein- oder Verkäufer*in mit Aufstiegschancen zur/zum Produktions-, Qualitäts-, Marketing- oder Salesmanager*in.

Absolvent*innen des Masterstudiengangs "Packaging and Sustainability" haben mit ihrem ökonomischen und technischen Hintergrundwissen exzellente, auch internationale, berufliche Möglichkeiten sowohl in den Kernbereichen der Papierindustrie als auch in der abfüllenden und abpackenden Wirtschaft. Sie werden als Fachexpert*innen und Führungskräfte in der Produktion und Verpackungsentwicklung, der Qualitätssicherung, dem verpackungsspezifischen Ein- und Verkauf, in Marketing und Gestaltung eingesetzt sowie in der Forschung.

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