Glasverfahrenstechnik

Glasklare Aussichten – beste Karrierechancen in der Glasverfahrenstechnik

Glas ist als Werkstoff schon seit tausenden von Jahren bekannt. Es setzt sich aus natürlichen Rohstoffen – Sand, Soda und Kalk - zusammen, die alle nahezu unbegrenzt in der Natur vorkommen. Gerade in den letzten Jahren ist Glas aufgrund seiner vielen Vorteile und des breiten Einsatzspektrums immer beliebter geworden. Daneben zählt vor allem die 100%-ige Wiederverwendbarkeit zu den Stärken des Werkstoffes Glas.

Als Glasverfahrenstechnikerin und Glasverfahrenstechniker lernen Sie nicht nur dieses spannende Material selbst von seiner Entstehung bis zu sämtlichen Anwendungsbereichen kennen, sondern auch alle damit verbundenen Produktions- und Verarbeitungsprozesse.

Trends und Wandel in der Branche

Die Glasindustrie hat zuletzt von der sehr positiven Baukonjunktur profitiert, vor allem 2017 war ein Boomjahr. Ein wichtiger Wachstumstreiber ist dabei die rasant steigende Zahl an Neubauten, bei denen die Verwendung von Glas sowohl im Innen- als auch im Außenbau stark im Trend liegt. Geht es nach der Forschung der Industrie, dann wird Glas im Bausektor zukünftig andere Materialien überflüssig machen. Mehrschichtig aufgebaute Gläser etwa sollen für eine Innenraumbeleuchtung sorgen und gleichzeitig die Funktion von Heizung und Kühlungsanlage mit übernehmen. Außerhalb des Bausektors wird Glas durch das Einbringen von Halbleiter- und Schaltungstechnik in Glas immer mehr interaktive Möglichkeiten bieten. Im Verkehrsbereich könnte bald Glas zum Einsatz kommen, auf das eine Schicht aufgebracht wird, die eingefangenes Tageslicht auf Abruf in Wärme umwandelt - etwa 10 Grad wärmer als die Umgebungstemperatur. Glas hat also in vielen Bereichen ein hohes Potenzial, die Zukunft besser zu gestalten.

Berufsaussichten

Die Branchen Hohlglasproduktion und Flachglasveredelung hatten in den letzten Jahren Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Auf Initiative der heimischen Glasindustrie wurde daher der Lehrberuf Glasverfahrenstechnik entwickelt, um für die komplexen Produktionssysteme der Betriebe Fachkräfte mit speziellem Know How auszubilden. Die Berufsaussichten sind ausgezeichnet, da es diesen Lehrberuf erst seit September 2018 gibt und Sie damit zu den Top Fachkräften zählen werden. Die Standards dieses neuen Lehrberufs steigern gleichzeitig auch die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Glasbranche.

Im Lehrberuf Glasverfahrenstechnik gibt es zwei Schwerpunkte: Flachglasveredelung und Hohlglasproduktion. Glasverfahrenstechnikerinnen und –techniker verarbeiten im Schwerpunkt Flachglasveredelung Roh-Flachglas zu Isolierglas, Sicherheitsglas, Brandschutz- oder Sonnenschutzglas für Gebäude und Innenräume. Im Schwerpunkt Hohlglasproduktion erzeugen sie z. B. Flaschen, Schüsseln, Trinkgläser oder Konservengläser in industrieller Serienfertigung.

Bildungspfad Glasverfahrenstechnik im Detail

Der Bildungspfad Glasverfahrenstechnik zeigt den Weg von der neu eingerichteten Lehrausbildung in den beiden Schwerpunkten Flachglasveredelung und Hohlglasproduktion bis hin zum Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Für Ihren beruflichen Aufstieg stehen Ihnen nach Abschluss der Lehre 2 Möglichkeiten offen: Zum einen mit entsprechender Berufserfahrung die Vorbereitung auf die Meisterprüfung im Bundesfachkurs der Glaser, der von der HTL Kramsach angeboten wird. Dieser Kurs dauert 9 Wochen und findet einmal im Jahr statt. Die Meisterprüfung legen Sie bei einer Meisteprüfungsstelle ab und erwerben so die Berechtigung, sich selbständig zu machen oder einen Betrieb zu übernehmen.

Zum andern können Sie Ihre Fachkenntnisse im Aufbaulehrgang Glastechnik an der HTL Kramsach erweitern, der auch Lehrabsolventinnen und –absolventen offensteht. Der Aufbaulehrgang schließt nach 2 Jahren mit der Reife- und Diplomprüfung ab und ist eine solide Basis, um erfolgreich im erlernten Beruf zu arbeiten oder ein Studium an einer (Privat-)Universität oder FH zu belegen.

Als weiterführende Universitätsstudien bieten sich aufgrund der fachlichen Vorbildung speziell die Bereiche Architektur und Bauingenieurwesen an oder das BA-Studium Design, Handwerk & Materielle Kultur an der New Design University in St. Pölten. Dieses bereitet Sie gut auf eine Führungsposition beispielsweise in einem mittelständischen Unternehmen vor.

 

Eigenschaften, die ein erfolgreiches Weiterkommen in diesem Bildungspfad fördern:

  • chemisches Verständnis
  • Technisches Verständnis
  • handwerkliche Geschicklichkeit
  • Problemlösungsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Unempfindlichkeit gegenüber Hitze und chemischen Stoffen

Ihr Start in den BildungspfadIhr Start in den Bildungspfad

Je nach Ihrer beruflichen Vorerfahrung können Sie in die folgenden Stufen des Bildungspfads einsteigen:

Lehrberuf Glasverfahrenstechnik – Flachglasveredelung

Als Glasverfahrenstechnikerin bzw. –techniker mit Schwerpunkt Flachglasveredelung stellen Sie mittels hochtechnisierter und großteils automatisierter Maschinen und Anlagen Flachglasprodukte für die Bereiche Bau, Wohnräume sowie Brandschutz und Sicherheit her. Sie arbeiten in glasbe- und -verarbeitenden Industrie- und Gewerbebetrieben oder in Betrieben in der Flachglasveredelung.

Sie

  • wählen die Ausgangsprodukte, Zusatz- und Hilfsstoffe aus und prüfen sie auf Verwendbarkeit,
  • planen die Produktionsprozesse (Arbeitsschritte, Materialbedarf, Personaleinsätze),
  • programmieren, stellen ein, beschicken, rüsten bzw. bedienen die Maschinen und Anlagen,
  • schneiden, brechen, schleifen, polieren Flachglas mit Hilfe von Maschinen oder manuell,
  • folieren, kleben, schleifen, erhitzen, kühlen, bedrucken Flachglasprodukte,
  • überwachen die Flachglasveredelung, stellen den Materialfluss sicher, beseitigen Ablaufstörungen,
  • führen Qualitätskontrollen durch,
  • warten, reinigen Maschinen und Anlagen und führen Instandhaltungsarbeiten durch,
  • dokumentieren und optimieren den Produktionsprozess.

 

Lehrberuf Glasverfahrenstechnik – Hohlglasproduktion

Als Glasverfahrenstechnikerin bzw. –techniker im Schwerpunkt Hohlglasproduktion stellen Sie industrielle Glasprodukte wie Flaschen, Schüsseln, Trinkgläser oder Konservengläser her. Dabei steuern und überwachen Sie die hochtechnisierten und zum Großteil automatisierten Maschinen und Anlagen und fertigen große Serien der Hohlglasprodukte. Sie arbeiten in glasbe- und -verarbeitenden Industrie- und Gewerbebetrieben oder in Betrieben der Hohlglasproduktion.

Sie können

  • Glasrohstoffe, Zusatzprodukte, Altglas auswählen und prüfen,
  • Produktionsprozesse (Arbeitsschritte, Materialbedarf, Personaleinsätze) planen,
  • Maschinen und Anlagen einstellen und programmieren, Ablaufstörungen beseitigen,
  • Gemenge herstellen und Maschinen und Anlagen rüsten und beschicken,
  • Schmelzprozesse überwachen und den Materialfluss sicherstellen,
  • Formprozesse durch Blas- oder Pressanlagen überwachen,
  • Kühl-, Reinigungs- und Verpackungsprozesse kontrollieren,
  • Qualitätskontrollen durchführen,
  • Maschinen und Anlagen warten, reinigen und Instandhaltungsarbeiten durchführen,
  • Produktionsprozesse dokumentieren und optimieren.

Absolventinnen und Absolventen des Aufbaulehrgangs für Glastechnik sind gefragte Fachkräfte in den verschiedenen Handwerksbereichen aller glasverarbeitenden Produktions- und Industriebetriebe, im Bereich des Fassadenbaus sowie in Architektur- und Planungsbüros.

Sie

  • entwerfen selbstständig glastechnische Konstruktionen,
  • planen und berechnen diese und
  • bereiten sie zur Ausführung vor.

Als Meisterin bzw. Meister für das Handwerk der Glaserin / des Glasers sind Sie für mittlere und höhere Führungsaufgaben in Industrie- und Gewerbebetrieben qualifiziert. Sie können sich auch selbständig machen und Ihren eigenen Betrieb führen.

Sie

  • organisieren in handwerklichen Glasereibetrieben die Arbeitsabläufe,
  • üben in industriellen Betrieben überwachende und koordinierende Aufgaben aus,
  • stellen die Qualität der ausgeführten Arbeiten sicher,
  • betreuen Ihre Kundinnen und Kunden und Lieferanten,
  • nehmen kaufmännische Aufgaben wahr,
  • bilden Lehrlinge aus bzw. leiten Fachkräfte an,
  • sind berechtigt, selbständig einen entsprechenden Betrieb zu führen.

Als Absolventin bzw. Absolvent des BA-Studiums Design, Handwerk & Materielle Kultur sind Sie äußerst gesucht für Führungsaufgaben in der mittelständischen Industrie – die Kombination von betriebswirtschaftlichem KnowHow, handwerklichen Kompetenzen und Produktdesign macht Sie besonders gefragt am Arbeitsmarkt. Auch in Designbüros weiß man Ihre Expertise zu schätzen. Der Weg in die Selbstständigkeit – in der Sie als freischaffende/r Designer/in oder Handwerker/in Ihrer Kreativität freien Lauf lassen können – steht Ihnen ebenfalls offen.

Sie können

  • Markt- und Trendanalysen einholen und Kundenwünsche und -präferenzen studieren,
  • Werte, Daten und Informationen mit dem Management besprechen,
  • Strategien zur Produktentwicklung erstellen,
  • Budget- und Zeitpläne kalkulieren, Teams zusammenstellen,
  • Angebote erstellen und Verträge mit Kundinnen und Kunden ausarbeiten,
  • Design entwickeln, Entwürfe, Handskizzen, Vormodelle erstellen,
  • mit speziellen Computerprogrammen ( CAD = Computer Aided Design) technische Zeichnungen erstellen,
  • technische Durchführbarkeit prüfen und Funktionsfähigkeit testen,
  • mit Spezialistinnen und Spezialisten aus Marktforschung, Technik, Grafik und Modellbau Entwürfe und Modelle besprechen, testen und verbessern,
  • erstellte Designs präsentieren und dokumentieren,
  • Werbekampagnen, Produktpräsentationen und -lancierungen am Markt betreuen und begleiten.

Als Architektinnen bzw. Architekten entwerfen und planen Sie Gebäude aller Art, vom Einfamilienhaus bis zu großen Gebäudekomplexen wie z. B. Bürohäuser, Shopping Center, Wohnbauten, Industrieanlagen sowie öffentliche Gebäude wie z. B. Schulen, Spitäler, Bahnhöfe, Flughafengebäude und vieles mehr. Sie finden ein breites Spektrum an beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten in Architektur- und Planungsbüros oder Ziviltechnikbüros, bei Baubehörden und anderen öffentlichen Institutionen, in den Bau- und Planungsabteilungen von Unternehmen. Sie können ihr Know How aber auch an Universitäten, Fachhochschulen und Höheren Technischen Lehranstalten weitergeben.

Sie können:

  • Bau- und Planungsaufgaben mit KundInnen besprechen,
  • Ideenskizzen und Entwürfe von Hand erstellen,
  • normgerechte Baupläne mit CAD-Programmen (Computer Aided Design) anfertigen, dazu Grundrisse, Aufrisse, Schnitte und andere Perspektiven erstellen,
  • technische (baustatische, bauphysikalische) Daten berechnen,
  • maßstabgetreue Modelle aus Holz oder Kunststoff bauen,
  • an Ausschreibungen und Architekturwettbewerben teilnehmen, Entwürfe, Modelle und Pläne einreichen,
  • Ausschreibungen der Bauarbeiten für Baufirmen erstellen,
  • Kostenvoranschläge der zum Offert (= Angebot) eingeladenen Baufirmen einholen, bewerten und vergleichen,
  • Bauaufträge vergeben, Bauarbeiten auf den Baustellen vor Ort überwachen und koordinieren,
  • Betriebsbücher führen und Bauabrechnungen durchführen,
  • mit Ihren Kundinnen und Kunden sowie mit Baubehörden, Baufirmen und den verschiedensten Fachkräften und Spezialistinnen und Spezialisten kommunizieren.

Als Absolventin bzw. Absolvent des Studiums Bauingenieurwesen sind Sie vor allem für die technische Umsetzung von Einzelbauwerken und von Bauwerkskomplexen wie z. B. Shoppingcenter, Wohnbauanlagen, Industriegebäude zuständig. Nach den Entwurfsplänen und Modellen, die Sie von den Architekturbüros erhalten, berechnen Sie bautechnische, vor allem baustatische und bauphysikalische Daten, Normen und Kennwerte. In der Bauleitung sind Sie für die gesamte Durchführung von Bauprojekten zuständig.

Sie arbeiten in Architekturbüros, Ziviltechnikbüros oder Bauunternehmen sowie auf den Baustellen vor Ort. Sie können sich aber auch in Baubehörden oder Bauämtern beruflich entfalten, ebenso in einer selbständigen Tätigkeit als Konsulentin bzw. Konsulent.

Sie können

  • bautechnische Daten, Kennziffern und Normen für Bauprojekte berechnen,
  • Naturmaße aufnehmen, Baupläne mittels  CAD erstellen, technische Daten eintragen,
  • Aufgaben der Bauleitung und des bautechnischen Projektmanagements übernehmen,
  • Bauprojekte bis zu deren Ausführungsreife planen,
  • die Bauausführung bis zur fertigen Übergabe koordinieren, dazu Arbeitsschritte planen, Fach- und Hilfskräfte einteilen,
  • Bauvolumina ermitteln, Material-, Maschinen- und Arbeitszeiteinsätze berechnen,
  • Leistungsverzeichnisse erstellen,
  • Schlussabrechnungen erstellen, Nachkalkulationen und den Soll-Ist-Vergleich etc. durchführen,
  • mit Kundinnen und Kunden, Bauherren und Baubehörden kommunizieren,
  • ein Bauwerk schlüsselfertig übergeben.
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