Stahlbautechniker/in

Sie denken in großen Dimensionen? Dann starten Sie durch als Stahlbautechniker/in!

Mal wird gelötet und geschweißt, mal genietet und geschliffen – bei diesem abwechslungsreichen Beruf ändern sich die Aufgaben von Projekt zu Projekt. Die Rede ist hier von Stahlbautechniker*innen, die Stahlbaukonstruktionen (z. B. für Gebäude, Hochhäuser, Brücken und Tunnels, aber auch für Spezialfahrzeuge wie Kräne) herstellen, verbauen und reparieren. Das Anfertigen von Teilen aus Stahl wie Aufzügen, Lüftungsschächten und Portalen gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Mit einer Ausbildung in diesem Beruf haben Sie vielfältige Arbeits- und Aufstiegsmöglichkeiten in einschlägigen Gewerbe- und Industriebetrieben.

Trends und Wandel in der Branche

Die Digitalisierung der Baubranche ist voll im Gange. Ihr wesentlicher Bestandteil ist die Technologie „Building Information Modeling“ (BIM). BIM ist eine innovative Arbeitsmethode in der Planung und Abwicklung von Bauprojekten, die auf digitalen Gebäudemodellen basiert. Ein Bauwerk wird vor der Realisierung als Modell im Computer gebaut. Dieses Computermodell enthält alle bauwerksrelevanten Informationen, auf die im Idealfall alle Projektbeteiligten zugreifen können. Der Stahlbau mit seiner langen digitalen Vorgeschichte nimmt eine Art Vorreiterrolle ein: Viele Unternehmen nutzen bereits die 3D-Modelle, um Fertigung, Logistik und Montage durch Automatisierung zu optimieren. In der nahen Zukunft wird der Schwerpunkt der Innovationen das vollautomatische Heften und Verschweißen von Anbauteilen sein. Dezentrales Arbeiten und Cloud Computing, um von unterschiedlichen Standorten auf Daten zuzugreifen, sind weitere Herausforderungen für die Branche. Stahlbautechniker/innen könnten künftig im digitalisierten Bauprozess auch die Funktion von BIM-Manager/inne/n einnehmen.

Einer weiteren Herausforderung sieht sich der Stahlbau beim Klimaschutz gegenüber. Denn zum einen werden bei der Stahlproduktion selbst große Mengen an Kohlendioxid ausgestoßen und zum andern ist die Autoindustrie, die ebenfalls für große Teile des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich ist, einer der Hauptabnehmer der Branche. Im Autobau könnte sich der Trend zur Elektromobilität negativ auf den Stahlbedarf auswirken, denn um die Akkuleistung zu verbessern, müssen Fahrzeuge besonders leicht konstruiert werden und für die Leichtbauweise wird weniger Stahl benötigt. Entwarnung gibt hier ein österreichischer Stahlkonzern, der in dieser Entwicklung sogar eine Chance sieht, da seine Stähle bei geringem Gewicht besonders stabil sind. Und ein anderer, internationaler Stahlkonzern geht sogar davon aus, dass der Trend zum Elektromotor die Nachfrage steigern könnte: Gegenüber den Werkstoffen Aluminium und Karbon kann Stahl nämlich unbegrenzt wiederverwertet werden.

Berufsaussichten

Für diesen Beruf sind die Aussichten sehr gut. Speziell in der Stahlbautechnik herrscht ein großer Fachkräftemangel, daher können Sie mit einem sicheren Arbeitsplatz rechnen. Das Spektrum an Arbeitgebern ist breit, da Sie mit Ihrer Ausbildung sowohl in Betrieben gefragt sind, die selbst Metall verarbeiten, als auch in Betrieben, die Produktionsanlagen verwenden, die von Ihnen betreut werden müssen. Die Aufstiegschancen sind ebenfalls gut, selbstständige Weiterbildung und/oder Spezialisierung sind natürlich die Voraussetzung dafür.

Bildungspfad Stahlbautechniker/in im Detail

Sie beginnen Ihre Karriere mit der Ausbildung im Modullehrberuf Metalltechnik, die eine zweijährige Ausbildung im Grundmodul „Metalltechnik“ und eine eineinhalbjährige Ausbildung im Modul Stahlbautechnik umfasst. Nach dem positiven Lehrabschluss können Sie Ihr Fachwissen in 4 Semestern an der Werkmeisterschule für Berufstätige für Metall- und Stahlbautechnik vertiefen und sich mit dieser Weiterbildung gleich für höhere Positionen im Betrieb qualifizieren.

Als Werkmeister/in stehen Ihnen dann 2 verschiedene Karriereschienen offen. Auf dem einen Karrierepfad können Sie sich weiter im Bereich der CNC-Technik[1] spezialisieren. Die CNC-Ausbildungen sind in 3 Modulen aufgebaut: Im Modul CNC Maschinenbediener erhalten Sie eine Grundausbildung im Drehen und Fräsen und setzen sich anschließend mit dem Bedienen von CNC-Werkzeugmaschinen auseinander. Im Modul CNC-Fachmann eignen Sie sich vor allem Kenntnisse eines CAD/CAM-Systems an. Beide Ausbildungsmodule schließen Sie mit einer  Zertifizierungsprüfung ab.

Im Modul CNC-Fertigungstechnologe wiederum setzen Sie sich in 4 Expertenmodulen (Experte CNC Drehen, Experte CNC Fräsen, Experte CAM-Programmierung und Experte wirtschaftliche Fertigung) mit Spezialthemen der Zerspanungstechnik auseinander. Diese Ausbildung schließen Sie mit einem Diplom zum CNC-Fertigungstechnologen ab.

Auf dem anderen Karrierepfad qualifizieren Sie sich mit den entsprechenden Ausbildungen für die verantwortungsvolle Tätigkeit einer Schweißaufsichtsperson. Hier belegen Sie zunächst den WIFI-Lehrgang zum/zur Nationalen Schweißwerkmeister/in und/oder International Welding Specialist (IWS), der Ihnen die international geforderten und weiterführenden nationalen technischen Kenntnisse für Schweißaufsichtspersonen vermittelt. Nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung erhalten Absolvent/inn/en das international anerkannte Diplom des International Welding Institutes zum IWS ('International Welding Specialist') und bei Erfüllung der erweiterten Anforderungen das nationale Zeugnis zum Schweißwerkmeister (SWM).

Für Schweißwerkmeister/innen oder IWS/EWS, die als Schweißaufsichtspersonen tätig sind und eine Höherqualifizierung anstreben, empfiehlt sich dann als nächster Karriereschritt der WIFI-Weiterbildungslehrgang zum Nationalen Schweißtechniker und/ oder International Welding Technologist (IWT). Diesen Lehrgang schließen Sie – nach bestandener Abschlussprüfung - mit dem staatlichen Zeugnis zum Schweißtechniker bzw. mit dem IWT-Diplom ab.

 

[1] CNC-Maschinen (Computerized Numerical Control) sind Werkzeugmaschinen, die durch den Einsatz von Steuerungstechnik in der Lage sind, Werkstücke mit hoher Präzision auch für komplexe Formen automatisch herzustellen.

 

Wichtige Fähigkeiten und Eigenschaften, die Sie für diesen Beruf mitbringen sollten, sind:

  • Physische Kraft und Robustheit,
  • Gutes räumliches Vorstellungsvermögen,
  • Teamfähigkeit,
  • Zuverlässigkeit und Sorgfalt beim Arbeiten sowie
  • Ausdauer.

 Ihr Start in den Bildungspfad

 

Ihr Start in den Bildungspfad

Abhängig von Ihrer beruflichen Vorerfahrung haben Sie folgende Einstiegsmöglichkeiten in diesen Bildungspfad:

Metalltechniker/innen im Bereich Stahlbautechnik stellen Stahlbaukonstruktionen her, stellen sie auf und montieren und reparieren sie. Sie arbeiten im Hallenbau, Fahrzeugbau, Kranbau und Kesselbau und stellen bauliche Einrichtungen wie Aufzüge, Lüftungsschächte, Portale und Fensterrahmen her. Dabei wenden sie verschiedene Metall bearbeitende Verfahren an und programmieren und bedienen computergesteuerte (CNC-) Werkzeugmaschinen. In größeren Betrieben sind sie zumeist auf die Herstellung von Bauteilen oder auf die Montage der Bauteile vor Ort spezialisiert. 

Sie

  • lesen technische Unterlagen,
  • planen, steuern und koordinieren Arbeitsabläufe,
  • bearbeiten metallische Werkstoffen von Hand und maschinell,
  • bauen Bauteile und Konstruktionen (z. B. Gebäude- und Hallenkonstruktionen, Portale, Behälter) zusammen und montieren diese,
  • wenden verschiedene Metall verarbeitende Verfahren und Techniken an wie z. B.: Bohren, Schweißen, Schleifen, Sägen, Löten, Warm- und Kaltbiegen, Autogen- und Elektroschweißen, Stemmen, Lochen,  Stanzen, Nieten,
  • führen Qualitätskontrollen und Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch,
  • berücksichtigen Sicherheitsvorschriften, Normen und Umweltstandards,
  • dokumentieren Arbeitsergebnisse,
  • beraten und informieren Kund/inn/en.

Als Werkmeister/in für Metall- und Stahlbautechnik qualifizieren Sie sich für mittlere Führungsebenen in Industrie- und Gewerbebetrieben.

Sie

  • bewältigen Aufgaben der Planung, Organisation und Kontrolle auf Ihrem Fachgebiet selbständig
  • können Meistertätigkeiten im Betrieb wahrnehmen,
  • sind berechtigt, Lehrlinge auszubilden,
  • führen und unterstützen Mitarbeiter/innen nach modernen Managementmethoden,
  • haben umfassende Kompetenzen im Bereich der Metall- und Stahlbautechnik.

CNC-Fachkräfte programmieren Werkzeugmaschinen und Fertigungsanlagen für die automatisierte (programmgesteuerte) spanende Fertigung, beispielsweise das Drehen und Fräsen von Werkstücken. Dabei setzen sie die Vorgaben aus technischen Zeichnungen in werkstoff- und fertigungsgerechte Funktionsfolgen der Werkzeugmaschine um. Zu ihren Arbeitgebern gehören Produktionsbetriebe im Maschinen- und Anlagenbau, im Fahrzeug- oder Werkzeugbau, in der Textil- und der kunststoffverarbeitenden Industrie.

Sie

  • programmieren CNC-Maschinen und richten sie nach Vorgaben aus technischen Zeichnungen ein,
  • spannen Werkzeuge auf und richten sie aus,
  • geben die Startparameter für die Werkzeugmaschine (Parameter, Positionieren und Nullen) ein,
  • überwachen die Maschinenfunktionen,
  • arbeiten erstellte CNC-Programme ab,
  • schreiten bei Störungen, Defekten, falschen Bearbeitungen ein,
  • bearbeiten das Werkstück abschließend und kontrollieren die Qualität,
  • sorgen durch Wartung, Pflege und Instandhaltung für jederzeit funktionsbereite CNC-Maschinen.
  •  

Wann immer Hersteller/innen angeben, in Übereinstimmung mit einem bestimmten Qualitätsniveau zu fertigen, müssen diese den Nachweis führen und die Verantwortung übernehmen können, dass sie über die notwendigen Kompetenzen verfügen, die in Zusammenhang mit den gefertigten Produkten bzw. durchgeführten Dienstleistungen anfallenden Schweißarbeiten fachlich zu planen, auszuführen, zu überwachen und zu überprüfen (EN ISO 3834 Teil 1 bis 6). Diese verantwortungsvolle Tätigkeit erfordert entsprechende Kenntnisse und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Schweißtechnik. Je größer die Anforderungen an die Schweißverbindung sind, umso umfangreicher ist die geforderte Qualifikation des Schweißaufsichtspersonals.

Schweißwerkmeister/innen unterstützen den/die Schweißingenieur/in bzw. -technologen/ -technologin bei der Erfüllung seiner/ihrer Aufgaben und sind verantwortliche Schweißaufsicht in allen Bereichen, wo einfache geschweißte oder standardisierte Konstruktionen hergestellt werden.

Schweißtechniker/innen unterstützen den/die Schweißingenieur/in bzw. -technologen/technologin bei der Erfüllung seiner/ihrer Aufgaben und sind verantwortliche Schweißaufsicht in allen Bereichen, wo standardisierte Qualitätsanforderungen zu erfüllen sind.

Sie

  • überprüfen die technischen Anforderungen an die Schweißkonstruktion,
  • legen die Schweißtechnologie und die Schweißnahtvorbereitung fest,
  • erstellen und überprüfen Schweißanweisungen (WPS),
  • beaufsichtigen und überwachen die Tätigkeit des schweißtechnischen Personals,
  • verantworten den persönlicher Arbeitsschutz und sonstige Sicherheitseinrichtungen,
  • veranlassen die erforderlichen Verfahrens-, Schweißer- und Schweißnahtprüfungen,
  • dokumentieren die technischen Daten und Arbeitsergebnisse.
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